PalliLev was ist das?

Warum werden weitere Strukturen im Bereich der Palliativversorgung dringend benötigt?

Im Kontext der selbstbestimmten Entscheidung über das Ende des eigenen Lebens wurde zunehmend deutlich, dass es vielerorts ein Lebensende in Würde nur mit erheblichen Einschränkungen gibt.

Medizinische und pflegerische Leistungsangebote sind sehr umfassend auf Gesundheit und deren Wiederherstellung ausgerichtet. 

Selbst dort, wo es bereits hervorragende Strukturen in der Palliativversorgung gibt
- wie z.B. in Leverkusen - 
ist die umfassende und gemeinsame Koordination eine Herausforderung, die noch deutlich verbessert werden kann.

Als unabdingbarer Bestandteil fehlt in Leverkusen ein stationäres Hospiz. 
Besteht für einen Gast in der Palliativversorgung der Bedarf an einem Platz in einem stationären Hospiz, muss bislang eine Aufnahme in eines der Hospize im weiteren Umlang gehofft werden. Die durchschnittlichen Wartezeiten liegen jedoch in der Regel weit ausserhalb des benötigten Bedarfes.

 

Wie funktioniert die Palliativversorgung generell?

Die Versorgungsdichte richtet sich ganz individuell nach dem Bedarf des Gastes oder Patienten.
Mehrere Aspekte werden vom versorgenden Arzt in Betracht gezogen:
- Krankheitslast und Schwere der Versorgungssituation
- persönliches und familiäres Umfeld
- Lebenssituation und Unterstützung im Alltag

sind hier nur beispielhaft aufgezeigt ...
 

Allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV):  

Sie stellt die Basis der palliativen Versorgung dar. In vielen Fällen reicht die hausärztliche Versorgung von Patienten und ihrer Familien auch für die Betreuung in der palliativen Situation aus. Palliativmedizin ist integraler Bestandteil der Allgemeinmedizin und wird tagtäglich von Hausärzten geleistet. Durch eine enge Anknüpfung dieser Versorgungsebene an ein Netz für spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV), besteht die Möglichkeit gelegentlicher Konsile und das Heranziehen „palliativer Spezialisten“. 

Koordinative Leistungen sollen jetzt ebenfalls in den AAPV- Bereich eingeführt werden. Seit Inkrafttreten des Hospiz- und Palliativgesetzes am 8.8.2015 hat die kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Auftrag, neue Leistungsziffern und -inhalte zu erstellen. Mit einer Umsetzung dieses Auftrages ist im Jahr 2017 zu rechnen. Diese Versorgungsform reicht für sehr viele Palliativpatienten in der Häuslichkeit und in Pflegeheimen vollkommen aus.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV):

Bei manchen Patienten liegen Verhältnisse vor, die besonderen Versorgungsbedarf hervorrufen. Versorgungsbedürftigkeit für SAPV-Leistungen besteht: 

 • wenn eine nicht heilbare, fortschreitende Erkrankung vorliegt, die so weit fortgeschritten ist, dass die Lebenserwartung nach begründeter Einschätzung des verordnenden Arztes auf Tage, Wochen oder Monate gesunken ist  und

  • wenn die Ziele nach § 1 Absatz 1 der SAPV-RL im Rahmen der anderweitigen ambulanten Versorgungsformen nicht oder nur durch besondere Koordination erreicht werden können und

 • wenn ein komplexes Symptomgeschehen vorliegt, dessen Behandlung spezifische palliativmedizinische und/oder palliativ-pflegerische Kenntnisse und Erfahrungen sowie ein interdisziplinär, insbesondere zwischen Ärzten und Pflegekräften in besonderem Maße abgestimmtes Konzept voraussetzt. 

Man kann nach den Erfahrungen der letzten fünf Jahre deutschlandweit davon ausgehen, dass bei ca. 10 bis 15% der Palliativpatienten diese Voraussetzungen zeitweise erfüllt sind. SAPV-Netze stellen die erforderlichen Qualifikationen und Professionen zur Verfügung und übernehmen gemeinsam mit den Hausärzten die Betreuung dieser Patienten.  

 

Stationäre Hospizversorgung: 

Eine kleine Gruppe von Menschen benötigt in den letzten Wochen ihres Lebens eine stationäre Versorgung in spezialisierten Einrichtungen, also in stationären Hospizen.  

Für eine Aufnahme in ein stationäres Hospiz müssen alle nachfolgend genannten Kriterien erfüllt sein:

  • Der Antragsteller leidet an einer progredient verlaufenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, bei der die Heilung nicht mehr möglich und eine palliativmedizinische und -pflegerische Versorgung notwendig ist und vom Antragsteller gewünscht wird. 

 • Eine medizinische Notwendigkeit zur stationären Krankenhausbehandlung besteht nicht.

 • Die ambulante Versorgung ist aufgrund des gebotenen palliativmedizinischen und palliativpflegerischen und/oder psychosozialen Aufwandes mit den für den Antragsteller verfügbaren Versorgungsstrukturen nicht realisierbar.

 • Stationäre Hospize müssen eingebunden werden in eine netzartige Versorgung, die für Palliativpatienten mit der AAPV beginnt, eine kleine Gruppe in die SAPV überführt und schließlich für wenige extreme Fälle auch eine stationäre Hospizversorgung anbieten kann. 

 

 

Worum geht es bei "PalliLev"?

Werden die inhaltlichen medizinisch-pflegerischen Aspekte von palliativer Versorgung („...komplexes Symptomgeschehen mit individueller Dynamik...“) mit den aktuellen gesundheitspolitischen Forderungen („...angemessene Palliativversorgung darf nicht von Zufällen abhängen...“) abgeglichen, wird der Handlungsbedarf für die Organisation der künftigen Struktur palliativer Versorgung schnell deutlich. 

 

Die palliative Versorgung von Patienten am Ende ihres Lebens erfordert eine neue Ausrichtung und Koordination der entsprechenden Leistungsangebote. Diese wird im Folgenden vorgestellt. 

 

Ein Ansprechpartner für alle Belange der komplexen Versorgungssituation!

"Alle Teilnehmer der Palliativversorgung unter einem Dach" 
Unter der Bezeichnung PalliLev wird ein integratives Palliativzentrum in Leverkusen entstehen, das auch stationäre Hospizbetten haben wird. Außerdem ist geplant, alle anderen palliativ wirksamen Dienste (spezielle und allgemeine Palliativversorgung, ambulante Hospizdienste, Hausärzte) so zu integrieren, dass anfragende Patienten, Angehörige oder Hausärzte unter einer Telefonnummer immer die richtigen und kompetenten Ansprechpartner finden können.

Träger ist das Regionale Gesundheitsnetz Leverkusen eG. 

 

Mit dem Ende kurativer Versorgungsmöglichkeiten beginnt für den Patienten und seine Angehörigen die terminale Lebensphase, die palliative Pflege und palliative Medizin erfordert. Oft beginnt diese Phase auch in der aktustationären Versorgung, bei der festgestellt wird, dass keine Kuration mehr möglich ist. Zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes und zur Vorbereitung der weiteren ambulanten Versorgung leisten hier Palliativstationen in Akut-Krankenhäusern einen wichtigen Beitrag für die Palliativ-Patienten. Spätestens mit der Stabilisierung des Patienten und der Entlassung aus der stationären Palliativstation übernimmt der ambulante Sektor die Versorgung. 

Die erste Anlaufadresse ist der Hausarzt oder der krankheitsbegleitende Facharzt. Schmerztherapie, Symptomkontrolle sowie das Eingehen auf soziale und spirituelle Bedürfnisse sind Bestandteil ihrer originären Tätigkeit in der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV). 

Um den dynamischen Krankheitsverlauf berücksichtigen zu können, erfolgt mit Beginn der AAPV eine Registrierung des Patienten bei der Koordinierungsstelle. Über die Koordinierungsstelle sollte eine Rufbereitschaft über 24 Stunden an sieben Tagen je Woche gegeben sein, die den ärztlichen und pflegerischen Leistungserbringern der AAPV zuarbeitet und sie in ihrer Tätigkeit unterstützt.  

Bei einer Veränderung des Gesundheitszustands erfolgt über die Koordinationsstelle einfach und unbürokratisch eine Vorstellung des Patienten im SAPV-Netz. Bei Vorliegen einer SAPV-Bedürftigkeit bringt sich das Netz zusätzlich zum Hausarzt in die Versorgung ein. Da es über eine gemeinsame Koordinationszentrale gesteuert wird, entstehen keinerlei Defizite in der Kommunikation. 

In den meisten Fällen kommt es nach ca. zwei Wochen zu einer Stabilisierung des Zustandes. Dann wird der Patient - so schnell es sein Zustand und das Versorgungsangebot in der AAPV zulassen - aus der SAPV in die AAPV zurückgegeben. 

 

Gerade in dieser Phase ist es für die Angehörigen sehr wichtig, dass der Patient jetzt nicht durch schlechtere Versorgung für die Stabilisierung gleichsam bestraft wird. 

Weiterhin soll der Patient die gemeinsame Notdienstzentrale/Koordinationszentrale in Anspruch nehmen können. Ist eine Stabilisierung des Zustandes auch im SAPV-Netz nicht möglich, oder erfährt der Zustand des Patienten eine weitere Verschlechterung, kann eine Aufnahme im stationären Hospiz auf Veranlassung der Koordinationsstelle der nächste Schritt sein. Sobald hier eine Stabilisierung erreicht worden ist und der Patient und sein Umfeld damit einverstanden sind, wird die weitere Versorgung ambulant unter Einbindung des SAPV-Netzes gestaltet, oder sogar - bei noch weiterer Stabilisierung - durch die Leistungserbringer der AAPV. 

 

In keinem Fall ist der Weg in eine bestimmte Versorgungsebene eine Einbahnstraße. Vielmehr wird zu jedem Zeitpunkt der Versorgung gemeinsam mit dem Patienten, dem sozialen Umfeld und den an der Versorgung beteiligten Leistungserbringern versucht, eine Situation zu schaffen, die den Bedürfnissen des Patienten so weit wie es nur irgend geht entsprechen. In dieser Versorgungsstruktur gibt es keine Kommunikationsdefizite und alle Beteiligten arbeiten nach den gleichen Qualitätskriterien. Einweisungen in Krankenhäuser können so vermieden werden, wenn sie nicht unbedingt nötig sind.